THEMEN

Die Mitgliederbefragungen des Marburger Bundes in den vergangenen Jahren zeigen, in welchen Bereichen überwiegend Handlungsbedarf zur Umsetzung einer familienfreundlichen Arbeitswelt für Ärztinnen und Ärzte besteht:

ARBEITSZEITGESTALTUNG
Das Angebot flexibler Arbeitsmodelle und planbare Arbeitszeiten im Krankenhaus ist ein zentraler Wunsch vieler Ärztinnen und Ärzte. Gerade im ärztlichen Dienst werden die hohe Arbeitszeitbelastung und das Festhalten an alten Arbeitszeitmodellen kritisiert. Das gilt insbesondere für die Lebensphasen der Familiengründung und der Angehörigenpflege.

Junge Ärztinnen und Ärzte legen besonders viel Wert darauf, Beruf und Privatleben während der Weiterbildung zum Facharzt gut unter einen Hut zu bekommen. Dies spielt vor allem dann eine besondere Rolle, wenn Kinder zu betreuen sind. Auf ein solches Betreuungsangebot an ihrem Krankenhaus können 22 Prozent der im MB-Monitor 2014 befragten Ärzte zurückgreifen. Flexible Arbeitszeiten kennen nur 8 Prozent der Befragten, planbare Arbeitszeiten immerhin 33 Prozent. Jeder fünfte Befragte gibt an, dass an seinem Krankenhaus verschiedene Arbeitszeitmodelle angeboten werden.

Nicht nur, wenn es um die Versorgung von Kindern geht, müssen sich Arztberuf und Familie vereinbaren lassen, sondern immer häufiger auch bei der Pflege von Angehörigen. Die Möglichkeiten der Freistellung sind sehr unterschiedlich und abhängig davon, ob kurzzeitige Pflege, Pflegezeit oder Familienpflegezeit in Anspruch genommen werden soll. So muss der Arbeitgeber bei der seit 1. Januar 2012 möglichen Familienpflegezeit zustimmen und mit dem Arbeitnehmer eine Vereinbarung schließen. Hier existieren an Krankenhäusern erst wenig erprobte Modelle für den ärztlichen Dienst.

Für die Gestaltung von Arbeitszeitmodellen im ärztlichen Dienst sind krankenhaus- bzw. abteilungsspezifische und individuelle Lösungen erforderlich, mit denen die notwendige Balance zwischen Patientenorientierung, Mitarbeiterbedürfnissen und wirtschaftlichen Erfordernissen hergestellt werden kann.

BETREUUNGSANGEBOTE / ELTERNZEIT
Familienfreundliche Betreuungsangebote stellen im ärztlichen Dienst eine besondere Herausforderung dar. Bei der Kinderbetreuung geht es nicht nur um das Angebot von Betreuungsplätzen. Ein zentrales Thema sind die Öffnungszeiten von Kita und Kindergarten, die häufig nicht mit den ärztlichen Dienstplänen zusammen passen. Insgesamt können Ärztinnen und Ärzte gerade in der Kinder- und Familienbetreuung durch vielfältige Maßnahmen des Krankenhauses unterstützt werden. Diese reichen von der Vorhaltung und Nutzung betriebseigener Einrichtungen bis zur organisatorischen und finanziellen Unterstützung bedarfsgerechter Betreuungsmöglichkeiten. Auch hier kommt es auf die Mitarbeiterstruktur und das strukturelle Umfeld des jeweiligen Krankenhauses an.

Vereinbarkeit ist nicht nur eine Frage der Kinderbetreuung. Zunehmend wichtig wird die Gestaltung der Elternzeit insgesamt und zwar sowohl für Mütter als auch für Väter.

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Elternzeit ist auch als Chef machbar ...
Ulmer Chefarzt nimmt zweimonatige Auszeit für die Familie und radelt mit ihr für einen guten Zweck.
Elternzeit als Chefarzt – geht das überhaupt in dieser verantwortungsvollen Führungsposition? Durchaus, wie das Beispiel von Prof. Wolfgang Janni vom Universitätsklinikum Ulm zeigt.
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WIEDEREINSTIEG IN DEN ARZTBERUF
Aufgrund der demographischen Entwicklung und des bereits in einigen Regionen und Fachgebieten festzustellenden Ärztemangels ist es eine der zentralen Aufgaben der Personalentwicklung, qualifizierte Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen und langfristig zu binden. Hier gilt es für Krankenhäuser verstärkt, qualifizierte Ärztinnen und Ärzte auch während und nach einem längeren beruflichem Ausstieg - wie nach einer Familienpause oder Phasen der beruflichen Neuorientierung - wieder für die medizinische Tätigkeit im Krankenhaus zu gewinnen. Helfen können dabei Maßnahmen, die den Wiedereinstieg erleichtern. Das können zum Beispiel Kontakthalte- und Wiedereinstiegsprogramme, spezielle Fortbildungsmaßnahmen oder die Möglichkeit von Arbeitseinsätzen während der Familienzeiten sein. Durch nachhaltige Wiedereinstiegs- oder Begleitprogramme können Krankenhäuser die erheblichen Kosten, die mit jeder Neubesetzung einer qualifizierten Stelle verbunden sind, reduzieren.

SPOTLIGHT
Was Kliniken und Ärztekammern für potenzielle Rückkehrer tun
, lesen Sie in einem Beitrag von Jörg Ziegler (PDF)
Die Wahrnehmung von Familienaufgaben kann eine längere Auszeit vom Arztberuf bedingen. Viele Ärztinnen und Ärzte fürchten, das Sie „raus“ sind aus ihrem erlernten Beruf oder stehen vor organisatorischen Problemen beim Wiedereinstieg.

Laut Ärztestatistik sind gut 115.000 Ärztinnen und Ärzte „ohne ärztliche Tätigkeit“. Zwar sind davon gut 70 Prozent im Ruhestand oder berufsfremd tätig. Bleiben aber immer noch mehr als 30.000 Ärztinnen und Ärzte, die potenziell in den Beruf zurückkehren könnten. Hier können Wiedereinstiegsprogramme helfen, die auch vermehrt von Krankenhäusern angeboten werden, um ihre Mitarbeitet zu halten. Allein in unserem Klinikregister finden Sie rund 50 Kliniken mit Angeboten zum Wiedereinstieg. Schauen Sie mal rein.

ANGEHÖRIGENPFLEGE
Das Thema der Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen macht auch vor Ärztinnen und Ärzten nicht Halt und erfordert Lösungen. Der Gesetzgeber hat gerade zur Familienpflege- und Pflegezeit gesetzliche Grundlagen geschaffen und erweitert, die der gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung Rechnung tragen. Diese müssen in den Unternehmen nun mit Leben gefüllt werden.

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Die Ärztin im Haus
Beruf und Angehörigenpflege vereinbaren - die neue Herausforderung
Wenn in der Familie der Pflegefall eintritt, ist die Situation für Berufsgruppen, die selbst pflegerisch tätig sind oder eine medizinische Ausbildung haben, eine besondere. Sie werden in ihren Familien oft als Ansprechpartner für das Thema gesehen und tragen damit nicht selten eine Doppelbelastung - Pflege im Beruf und Pflege zu Hause. Auch Ärztinnen geraten häufig in diese "Sandwichbelastung", wie der Praxisbericht von Stefanie Steinfeld zeigt.
Die ganze Story lesen Sie hier (PDF).


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