WORUM ES GEHT

Eine sozial- und gesellschaftspolitische Maßnahme

Ist der Arztberuf mit Familie und Privatleben vereinbar? Diese Frage müssen sich in Deutschland bis dato viele Ärzte – und vor allem Ärztinnen stellen. Ursächlich dafür sind nicht zuletzt die ungünstigen Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern: Lange Arbeitszeiten, mangelnde Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung sowie fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten machen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den meisten deutschen Krankenhäusern fast unmöglich. Das betrifft allerdings nicht alleine die Lebensphase der Kinderbetreuung. Auch die Übernahme der Angehörigenpflege ist für erwerbstätige Ärztinnen und Ärzte zunehmend ein Thema der Vereinbarkeit.

Immer mehr Frauen entscheiden sich für den Arztberuf. Der Anteil der weiblichen Medizinstudenten liegt bei über 60 Prozent, Tendenz weiter steigend. Zusammen mit einem demographisch bedingten Nachwuchsmangel in der Medizin zeichnet sich die Notwendigkeit zur Veränderung auch im Krankenhausbetrieb ab.

Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist aber nicht nur für Ärztinnen maßgeblich, sondern wird auch von ihren männlichen Kollegen überwiegend als ein wichtiger Faktor genannt.

Der demografischen Entwicklung, veränderten Ansprüchen an den Arbeitsplatz und vor allem dem steigenden Anteil qualifizierter erwerbstätiger Frauen muss mit modernen Arbeitsstrukturen Rechnung getragen werden. Hierbei gilt es, motivierte Ärzte für sich zu gewinnen und langfristig an sich zu binden. Aktuelle Umfragen zeigen, dass eine familienfreundliche Arbeitswelt in jedem medizinischen Fachbereich für umsetzbar erachtet wird, sofern ausreichend Personal und Betreuungsangebote vorhanden sind. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, stellt daher ein wesentliches Handlungsfeld dar, mit dem Krankenhäuser auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren können.

Eine wirtschaftliche Maßnahme

Es liegt auf der Hand, dass für ein Zusammenspiel von Familie und Beruf in deutschen Krankenhäusern nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Gründe sprechen.

Krankenhäuser werden zukünftig auf einem hart umkämpften Markt bestehen und sich gegenüber anderen Einrichtungen Wettbewerbs- und Standortvorteile sichern müssen. Hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Deshalb ist es für Krankenhäuser wichtig, durch bessere Arbeitsbedingungen ein Umfeld zu schaffen, das gut ausgebildeten Fachkräften Anreize schafft, sich für diese Arbeitsstelle zu entscheiden.

Die Qualität der medizinischen Versorgung, betriebswirtschaftliches Denken und die Anwendung moderner Managementmethoden sind entscheidende Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg eines Krankenhauses. Aber auch weiche Faktoren, die eine positive Arbeits- und Unternehmenskultur prägen, sind heutzutage für die langfristige Existenz eines Unternehmens ausschlaggebend. Krankenhäuser haben hier Nachholbedarf.

Eine gemeinsame Aufgabe

Der Gesetzgeber hat zur Gestaltungen familienfreundlicher Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren wichtige Erleichterungen geschaffen. Für die Umsetzung vor Ort ist das Engagement der Krankenhäuser, der Betriebs- und Personalräte sowie der Ärztinnen und Ärzte gefragt. Dieses Engagement zu unterstützen, darum geht´s in unserer Kampagne.

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